Tastenkasten

Veranstaltungen
Petra Somlai
Sonntag, 11. Oktober 2020, 17:00 Uhr
Tastenkasten 4

Neue, tiefe Gefühle: Die Psychotechnik des dynamischen Anschlags
Klavier-Recital mit Petra Somlai (NL/HU),
Hammerflügel nach Anton Walter 1795


Kein Musiker vor Beethoven und nur wenige nach ihm pflegen ein vergleichbar enges Verhältnis zum Hammerkavier wie Ludwig v. Beethoven: Über lange Zeit besteht seine künstlerische Hauptbetätigung darin, als fantasierendes Originalgenie vor der Tastatur aufzutreten. Seine intime Beziehung zu dem Instrument wird maßgeblich von einer Weiterentwicklung älterer Pianoforte-Instrumente durch den Augsburger Klavierbauer Johann Andreas Stein in den 70er Jahren des 18. Jahrhunderts geprägt, dem sogenannten "Wiener Flügel", der in der Lage ist, jeder noch so feinen körperlichen Regung des Spielers eine klangliche Farbe zuzuordnen. Steins Erfindung und die damit verbundene – unter Tasteninstrumenten bis dato unerreichte – "psychotechnische Dynamik" hatte schon aus dem einundzwanzigjährigen Mozart einen Freund des Pianoforte gemacht. Im Gegensatz dazu war Beethoven von Anfang an mit diesem Instrument aufgewachsen.
Zu den frühesten Instrumenten, die Beethoven in Wien kennen und schätzen lernt, zählen die Instrumente von Johann Anton Walter (1752-1826). Der Student Friedrich von Kübeck wird zur zweiten Hälfte der letzten Dekade des 18. Jahrhunderts Zeuge eines denkwürdigen Gipfeltreffens. In seinem Tagebuch berichtet er über "ein neues Instrument, ein Fortepiano, von Herrn Walter" und "den Heros der Musik, Herrn von Beethoven. [...] Er setzte sich zum Fortepiano und meisterte das Instrument durch eine halbe Stunde zum Entzücken."
Beethoven selbst zeigt sich nicht minder entzückt. Noch im Jahr 1802 notiert er an seinen Freund, den österreichisch-ungarischen Diplomaten Nikolaus Zmeskall von Domanovecz: "Sie können [...] dem Walter meine Sache[n] [...] in einer starken Dosis geben, indem er's erstens ohnedem verdient, dann aber drängt sich mit den Tägen, wo man glaubt, ich bin mit Walter gespannt [verbunden] der ganze Klawiermacher schwarm und will mich bedienen – und das umsonst." [...]"
Es ist keinesfalls übertrieben, die junge ungarische Pianistin Petra Somlai zu den Shooting-Stars historischer Hammerklavierinstrumente zu rechnen, die am 11. Oktober 2020 ab 17:00 Uhr mit dem Nachbau eines solchen Flügels im Rittersaal zu Gast sein wird: Nach einem Kapellmeister und Klavier-Studium am Franz-Liszt-Konservatorium in Budapest begann sie eine intensive Ausbildung an historischen Instrumenten. Petra studierte Hammerklavier und Cembalo am Birmingham Conservatory, am Sweelinck-Conservatorium in Amstardam und am Konservatorium von Den Haag. Ihre Lehrer waren Fabio Bonizzoni, Menno van Delft und Bart v. Oort. Nach verschiedenen Auszeichnungen und einer internationalen Konzerttätigkeit sowie einer Dozentur an der University of North Texas (USA) arbeitet sie heute als Professorin für Pianoforte am Königlichen Conservatorium von Den Haag in den Niederlanden.


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Eintrittspreis 15 EUR / 10 EUR (Auszubildende, Schüler, Studierende)

Telefonische Reservierung bitte unter 02852-9659950

Reservierung via eMail hier

 

 

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